FUTURA: Ruth Widmer

9 - 29 Oktober 2026
Übersicht
Herzliche Einladung zur Vernissage:
Donnerstarg, 8. Oktober, 18 Uhr
 
Öffnungszeiten: 
Mittwoch/Samstag: 11 – 18 Uhr
Finissage: Donnerstag, 29. Oktober, 11 – 18 Uhr
 
Die Künstlerin ist mittwochs von 11 - 18 Uhr und samstags von 11- 14 Uhr vor Ort.

Wirtschaftliche Krisen, Kriege, klimatische Umbrüche prägen eine Gegenwart, die selbst schon genügend Stoff für Zukunftsvorstellungen liefert. In ihrer ersten Einzelausstellung nach längerer Pause nähert sich Ruth Widmer diesem Kollaps mit einer eigenen Interpretation und Beobachtung, mit Fragen nach Handeln und Verantwortung. In grossformatigen Zeichnungen und Arbeiten aus Porzellan entwirft sie Landschaften, die noch nicht existieren, aber schon spürbar sind. Architektonische Fragmente einer möglichen Zukunft treffen auf die Frage nach der gegenwärtigen Verfasstheit des Menschen, nach der Richtung, in die wir uns, einzeln und als Gesellschaft, bewegen. Hannah Arendt beschreibt in Vita activa den Menschen als handelndes Wesen, das sich im Raum des Erscheinens mit anderen zeigt. Jede Geburt trägt für sie die Möglichkeit eines radikalen Neuanfangs in sich, eine Fähigkeit, die sie Natalität nennt, die Idee, dass mit jedem Menschen etwas Unvorhergesehenes in die Welt kommt und Handeln immer wieder neu beginnen kann. Widmers architektonische Fragmente lassen sich als solche Räume des Erscheinens lesen, Orte, die noch nicht bewohnt, aber bereits denkbar sind, Entwürfe eines Anfangs, der noch aussteht. 

 

Die vereinzelten Elemente von Aggression, Anklänge an Konfliktsymbolik, die sich in die Landschaften einschreiben, zeigen keine Täter:innen, nur Spuren, Zeichen eines Handelns, das sich selbst nicht mehr sieht. Was Vertreter:innen der Science-Fiction, von Aldous Huxley über Philip K. Dick bis Ursula K. Le Guin, als literarische Zukunftsentwürfe imaginierten, war nie blosse Fiktion, sondern ein Instrument kritischer Vorausschau, eine Fähigkeit, gegenwärtige Tendenzen so weit zu extrapolieren, bis ihre Konsequenzen sichtbar werden. Was diese Schriftsteller:innen vor Jahrzehnten entwarfen, Überwachung, technologische Entfremdung, ökologischer Kollaps, realisiert sich heute zunehmend vor unseren Augen. Widmers Zeichnungen stehen in dieser Tradition als eigenständige Form des spekulativen Denkens.

 

Wie wird der Mensch der Zukunft aussehen, welchen ethischen Prinzipien wird er folgen? 

Rosi Braidotti fragt in ihrer posthumanen Ethik, was aus Verantwortung wird, wenn Technologie sich zwischen Handeln und Konsequenz schiebt. Wenn künstliche Intelligenz und automatisierte Systeme die Distanz zwischen Tat und Täter:in vergrössern, verschiebt sich die Frage der Schuld ins Diffuse, wird Verantwortung auslagerbar, entkoppelt vom menschlichen Subjekt, das sie einst trug. Diese Entkopplung, die Braidotti als zentrales ethisches Problem der Gegenwart benennt, bildet den stillen Resonanzraum für die Serie der Porzellanarbeiten und die einzelnen Skulpturen aus Steinzeug, fragile, beinahe archäologische Objekte, die von einer Zukunft erzählen, in der das Menschliche selbst zur Verhandlungssache geworden ist. Es sind keine Bilder der Anklage, vielmehr eine stille, präzise Beobachtung, getragen von der Hoffnung, dass eine andere, bessere Zukunft denkbar bleibt.

 

Ruth Widmer, geboren in Lugano, ausgebildet an der Schule für Gestaltung Basel und der Accademia di Belle Arti in Rom, mit einem Masterabschluss in Expressive Art Therapies. Ausgezeichnet mit dem Swiss Art Award, zeigte sie ihre Arbeiten unter anderem in der Galerie Tony Wüthrich Basel, Kloster Schönthal  im Ausstellungsraum M54 Basel sowie in der Galerie Mainetti Lausanne. Sie lebt und arbeitet in der Schweiz.

 

Kuration: Wiktoria Tundys
Ort: Artstübli – Kunst & Kultur, Steinentorberg 28, 4051 Basel

 

Öffnungszeiten:
Mittwoch-Samstag, 11 – 18 Uhr

Finissage: Donnerstag, 29. Oktober, 11 - 18 Uhr

Die Künstlerin ist mittwochs von 11–18 Uhr und samstags von 11–14 Uhr vor Ort.

 

Grafik: Verena Metz 

Foto: Wiktoria Tundys

Ausstellungsansichten