Kostas Maros
Indem die Ausstellung beide Werkserien zusammenführt, richtet sie den Blick darauf, wie sich menschliches Handeln auch ohne sichtbare Präsenz im Landschaftsraum einschreibt und wie Spuren dieser Eingriffe noch lange über den Moment ihrer Entstehung hinaus wirksam bleiben.
In seiner Ausstellung im Artstübli – Kunst & Kultur bringt Kostas Maros die beiden fotografischen Werkserien Myths of Everyday Life und Cicatrice zusammen. Obwohl sie in unterschiedlichen Kontexten entstanden sind, kreisen beide Werkgruppen um eine gemeinsame Beobachtung. Landschaften sprechen oft am deutlichsten durch das, was in ihnen nicht mehr sichtbar ist. Maros’ Fotografien zeigen Menschen nur selten direkt. Stattdessen machen sie subtile Spuren menschlicher Präsenz sichtbar, die sich sowohl in alltäglichen Umgebungen als auch in monumentalen Landschaften industrieller Eingriffe eingeschrieben haben. Künstliches Licht, Zäune, zurückgelassene Objekte oder präzise geschnittene Bergoberflächen werden zu stillen Hinweisen auf Handlungen, die bereits stattgefunden haben, im gegenwärtigen Moment jedoch nur noch teilweise lesbar sind. Aus heutiger Perspektive stehen diese Bilder in engem Zusammenhang mit den Widersprüchen des Anthropozäns. Landschaften erscheinen stabil und vertraut, sind jedoch zugleich von langfristigen Transformationsprozessen geprägt, die im Alltag häufig unbemerkt bleiben. Die im Titel Myths of Everyday Life angedeuteten „Mythen“ lassen sich daher auch als Narrative der Kontinuität lesen, die parallel zu fortlaufenden ökologischen Veränderungen bestehen. Die in Cicatrice gezeigten Marmorsteinbrüche von Carrara machen diese Spannungen auf geologischer Ebene sichtbar. Zugleich spektakulär und verstörend zeigen sie Landschaften, die durch Extraktion geprägt sind und dennoch weiterhin als Quellen kulturellen Werts, ökonomischer Bedeutung und ästhetischer Faszination fungieren.
Kostas Maros ist ein Schweizer Fotograf, der in Basel lebt und in der Schweiz sowie international für Editorial-, Corporate- und Werbekund:innen arbeitet. Er wuchs zweisprachig mit Deutsch und Französisch auf. Nach der Schule studierte er Rechtswissenschaften an einer Schweizer Universität und war mehrere Jahre als Jurist tätig. Als ihm bewusst wurde, dass dies nicht der Weg war, den er weiterverfolgen wollte, begab er sich auf Reisen und begann ein Praktikum bei einer Zeitung. In dieser Zeit entwickelte sich sein Interesse an der Fotografie zunehmend zu seinem zentralen Arbeitsfeld.
